Zusammenarbeit mit Unternehmen geht in eine neue Dimension
Herausforderung
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Während in Deutschland industrielle Metall- und Elektroberufe überwiegend im dualen System, also mit einem betrieblichen Ausbildungsvertrag und beruflich praktischer Ausbildung im Betrieb und (dazu flankierend) Theorie in der Berufsschule ausgebildet werden, ist dies in Vietnam nicht so. Traditionell überwiegt hier die vollschulische Berufsausbildung, d.h. Theorie und Praxis werden an einer berufsbildenden Schule unterrichtet. Dabei werden oft nicht die Bedürfnisse der Unternehmen getroffen. Die Ausbildung ist meist zu theoretisch und die praktische Befähigung zu gering ausgeprägt. Das trifft in besonderer Weise Berufe, bei denen Arbeitstätigkeiten mit moderner Technik im Mittelpunkt steht, wie zum Beispiel die Arbeit mit computergesteuerten Werkzeugmaschinen (CNC-Maschinen). Diese Einschätzung wurde auch durch eine landesweite Untersuchung von 64 vietnamesischen Unternehmen unterschiedlicher Größe und Struktur im Auftrage der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) erhärtet. Durch die bisher unzureichende Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen wird nicht bedarfsgerecht ausgebildet. Unternehmen müssen schon im formalen System Ausgebildete relativ lange einarbeiten. |
Eine große Personalfluktuation der wenigen durch die Betriebe selbst für die Anforderungen des Arbeitsplatzes qualifizierten CNC-Fachkräfte ist zu beobachten. Arbeitsplatzorientierte, qualitativ hochwertige Weiterbildung für Fachkräfte aus Betrieben hat in den Berufsschulen unter diesem Hintergrund keine Tradition. Insgesamt bewirkt dies einen Mangel an qualifizierten Facharbeitern, insbesondere im Bereich moderner Technologien, wie CNC-Zerspanungsfacharbeitern. Dieser Fachkräftemangel gefährdet den geplanten Wachstumsprozess der vietnamesischen Wirtschaft, ihre Wettbewerbsfähigkeit und letztlich auch die Qualität der hergestellten Produkte und damit das langfristige Bestehen auf dem Weltmarkt.
Ansatz
Hier setzt das Kooperationsvorhaben „Förderung der Berufsbildung, Vietnam“ der deutschen Entwicklungszusammenarbeit des BMZ, implementiert durch GTZ, KfW, CIM, DED und InWEnt mit dem vietnamesischen Ministerium für Arbeit, Invaliden und Soziales (MoLISA) und deren Generaldirektion für Berufsbildung (GDVT) an. Innerhalb dieses EZ-Vorhabens wurden zwischen der GTZ als öffentlichem Träger und dem Europäischen Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft (EBG) als privater deutscher Bildungsinstitution „Public Private Partnership Projekte“ (PPP-Projekte) aufgelegt.
Ziel dieser PPP-Projekte ist, der Wirtschaft CNC-Fachkräfte zur Verfügung zu stellen, deren Qualifikationen den Bedürfnissen vietnamesischer und internationaler Unternehmen entsprechen.
Dazu wurden vietnamesische Ausbilder aus Berufsschulen durch CNC-Fachexperten des EBG in Vietnam und in Deutschland gezielt fachlich und methodisch weitergebildet. Sie wurden auf die bedarfsgerechte Weiterbildung von Zerspanungsfachkräften aus vietnamesischen Betrieben und die Erstausbildung von Facharbeitern an ihren Berufsschulen vorbereitet. Dabei wurde der Ausbildungsstandard an den Anforderungen, die eine deutsche IHK-Prüfung stellt, orientiert. Zugangsvoraussetzung für die vietnamesischen Ausbilder zu dieser anspruchsvollen Weiterbildung waren gute Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich Drehen und Fräsen mit konventionellen Werkzeugmaschinen, die in einem einwöchigen Test nachgewiesen werden mussten.
Diese Art der Weiterbildung vietnamesischer Ausbilder, stellt ein Novum in der Zusammenarbeit vietnamesischer Berufsschulen und Unternehmen dar. Sie bildet die Grundlage für die im März 2010 beginnende Qualifizierung betrieblicher Zerspanungsfachkräfte im CNC-Fräsen und CNC-Drehen, die von den Ausbildern umgesetzt werden. Die ersten Weiterbildungskurse werden durch Fachkräfte des EBG begleitet und gecoacht. Die Durchführung der Prüfung ist in Verantwortung der CNC-Fachexperten des deutschen Trägers EBG und orientiert sich an den deutschen IHK-Prüfungsstandards. Dieses Prüfungssystem soll mit der Deutschen AHK in Vietnam weiterentwickelt werden. Die ersten betrieblichen CNC-Weiterbildungskurse werden an den vier Modellberufsschulen des EZ-Vorhabens beginnend im März 2010 stattfinden (Ho Chi Minh City, Thai Nguyen, Nha Trang und Hung Yen).
Bei dieser völlig neuen Form der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen ist die Nachfrage nach Weiterbildung und auch Inhouse-Schulungen eine Vertrauenssache. Aus der Historie der Zusammenarbeit zweifeln Unternehmen eher die Kompetenz der Berufsbildungseinrichtungen an. Die Kooperation mit dem deutschen Bildungsunternehmen EBG öffnet den Schulen neue Türen bei Unternehmen, die sie langfristig nutzen können.
Erreichtes und Perspektiven
Durch das PPP-Projekt wurde ein Weiterbildungsansatz durch EBG und GTZ entwickelt, welchen das Ministerium für Arbeit, Invaliden und Soziales (MOLISA) und die Generaldirektion für Berufsbildung Vietnams (GDVT) so überzeugte, dass GDVT diesen Ansatz noch während des laufenden Projektes zur Qualifizierung weiterer Ausbilder Vietnams übernahm. Dazu wurden direkte Verträge zwischen dem Europäischen Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft (EBG) und der Generaldirektion für Berufsbildung geschlossen. EBG-CNC-Fachexperten führen diese Kurse nunmehr wiederholt durch. Dabei werden auch die in Vietnam und Deutschland durch EBG ausgebildeten Lehrkräfte zunehmend eingesetzt, so dass sie die Rolle als Multiplikatoren in der von GDVT angestrebten breiten Qualifizierung von Lehrkräften übernehmen können.
Insgesamt richtet sich das Projekt nicht nur auf die kurzfristige Qualifizierung von betrieblichen Fachkräften, sondern durch bedarfsgerechte Qualifizierung der auszubildenden Zerspanungsmechaniker an den Berufsschulen vor allem auf eine Erhöhung des gesamten Niveaus der Erst-Ausbildung in den beruflichen Schulen Vietnams. Dazu wurden für die Lehrkräfte Lehr- und Lernmaterialien innerhalb des Projektes erarbeitet und für die Nutzung auch außerhalb der Pilotschulen bereitgestellt.
Durch die Übernahme dieses Weiterbildungskonzeptes für CNC-Ausbilder in Vietnam, die Eröffnung einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen auf der Basis fachlich kompetent umgesetzter bedarfsgerechter Aus- und Weiterbildung kann das Projekt in eine neue Dimension der Qualifizierung von CNC-Fachkräften für die vietnamesische Wirtschaft führen. Betont und politisch gewollt wurde dies schon seit langem, allein führten bisher kaum Wege dahin.
Das PPP-Projekt eröffnet so neue Möglichkeiten für die berufliche Bildung in Vietnam, aber auch für ein deutsches Bildungsunternehmen, das Europäische Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft auf dem vietnamesischen Bildungsmarkt. Seine weitere begleitende und coachende Tätigkeit und Sicherung von Prüfungen, die an den deutschen IHK-Standards orientiert sind, bildet den Garant für die Nachhaltigkeit des Begonnenen. Damit sind nur die Ziele der vietnamesischen Regierung erreichbar, sondern könnte Vietnam auch mehr und mehr für deutsche Unternehmen ein interessanter Fertigungsstandort in Asien werden.


